Studien
Versicherungsbranche und mobile Webseiten
Potential wird nicht ausgesch�pft
(22.09.2014) • Die Versicherungsbranche ist sichtbar bem�ht, mit der wachsenden mobilen Internetnutzung Schritt zu halten. Den technisch und inhaltlich optimierten Angeboten der E-Commerce-Anbieter hinken deutsche Versicherer jedoch hinterher, so das Fazit einer Studie von Sevenval Consulting.
14 von 28 Versicherern bieten keine an mobile Nutzung angepasste Webseite, elf der getesteten Versicherungen leiten Smartphone-Nutzer auf mobile Webseiten mit eingeschr�nktem Umfang um. Die werbelastige Darstellung und unstrukturierte �bernahme der Inhalte von Desktop-Webseiten schreckt Smartphone-Nutzer auf Informations- und Produktsuche ab. Nur drei Anbieter bieten �berhaupt mobile Beratung, einen Beitragsrechner und die M�glichkeit, mobil Vertr�ge abzuschlie�en. Zu lange Ladezeiten stellen Mobile-Nutzer dar�berhinaus auf Geduldsprobe.
Das Beraterteam analysierte die technische Performance und die Usability von 14 mobilen Webseiten von Versicherungsunternehmen. Das Unternehmen hat dabei 25 Kriterien bestimmt, nach denen die Gesichtspunkte "Zugang und Zuf�hrung", "Navigation und Suche" und "Gestaltung f�r mobile Charakteristika" bewertet wurden. 14 weitere Versicherer, die zun�chst betrachtet wurden, bieten lediglich eine Desktop-Webseite an und wurden daher nicht genauer analysiert.
Mobile Webseiten leiden an Kinderkrankheiten - Vertriebskanal nicht optimal genutzt
Elf der untersuchten Versicherer schicken ihre mobilen Internetnutzer auf separate Webseiten, die f�r Smartphones optimiert sind. Diese verzichten gegen�ber der Desktop-Seite jedoch auf wichtige Elemente wie auf einen Beitragsrechner oder eine M�glichkeit Vertr�ge abzuschlie�en.
Oft wird der mobile Surfer mit gr��tenteils schlecht geordneten Informationen konfrontiert. F�nf der Versicherungsanbieter beschr�nken sich auf werbliche Aussagen. Die mobile Produktrecherche ist nur eingeschr�nkt m�glich. Eine Ausnahme bilden AXA, CosmosDirekt und HUK24, die Interessierten ein vollst�ndiges Angebot liefern. Wer will, kann bei diesen eine Versicherung online abschlie�en. Dabei nutzen diese drei Anbieter den gleichen technischen Ansatz: Eine OneWeb-L�sung, bei der alle Ger�teklassen wie Desktop-Rechner, Tablets und Smartphones �ber die gleiche Webadresse bedient werden. F�r mobile Nutzer bedeutet diese Variante eine hohe Usability und vereinfachte Cross-Device-Nutzung, also das problemlose Wechseln zwischen verschiedenen mobilen Ger�ten.
Schlechte Usability bei Formularen und Eingabefeldern
Keiner der �berpr�ften Versicherer bietet den mobilen Nutzern eine �bersichtliche Darstellung f�r verschiedene Tarife, wie etwa einen Vergleich des Basis-Tarifs mit einem Premium-Paket und dessen Zusatzleistungen.
Auch die Darstellung und Funktionen f�r das Ausf�llen von langen Formularen mit dem Smartphone wurden nicht f�r mobile Ger�te designt. Bei KFZ-Haftpflichtversicherungen m�ssen bis zu 50 Angaben gemacht werden, bevor ein erstes Preisangebot vorliegt.
Performance - lange Ladezeiten erschweren die Kundenbindung und den Vertrieb
Im Branchendurchschnitt wartet ein Smartphone-Nutzer mit einer durchschnittlichen UMTSVerbindung 7,3 Sekunden, bis er die Startseite eines Versicherungsanbieters verwenden kann.
Das liegt weit jenseits der Kundenerwartung von drei Sekunden Ladezeit. Dass es besser geht zeigt z.B. die HUK24, die trotz "One Web"-Ansatz auf Smartphones schon nach 4,86 Sekunden zur Verf�gung steht.
Das Performance-Schlusslicht bildet CosmosDirekt mit knapp 20 Sekunden Wartezeit. Der Versicherer bietet wie die HUK24 auch mobil das vollwertige Webangebot, hat seinen "One Web"- Auftritt aber nicht ausreichend f�r mobile Zugriffe optimiert. Ein weitere One Web-L�sung, die der Axa, liegt mit 7,26 Sekunden direkt am Durchschnitt.
Handlungsempfehlungen
Digitale Strategie pr�zisieren
Die mobile Internetnutzung w�chst und verlangt eine saubere �bertragung des Gesch�ftsmodells auf alle digitalen Plattformen. Es f�llt auf, dass die Branche sich noch vergleichsweise schwer tut, Frontend-Strategien zu entwickeln.
Von 28 betrachteten Versicherern, hat die H�lfte �berhaupt keinen Webauftritt f�r mobile Ger�te umgesetzt. Den One Web-Ansatz haben bisher nur drei Versicherungs-Anbieter realisiert, obwohl dieser der rasanten Entwicklung der mobilen Ger�te am besten gerecht wird.
Insgesamt wirken die On- und Offline-Auftritte der Versicherer selten aus einem Guss und die Abstimmung zwischen Vertriebsstruktur und Internetangeboten scheint in vielen F�llen noch nicht abgeschlossen. Unternehmen sollten daher ihre verschiedenen Gesch�ftsbereiche st�rker in die Entwicklung der Digitalstrategie einbinden, um ihr Gesch�ftsmodell sauber auf das mobile Internet zu �bertragen.
Gute Performance ist Pflicht
Da das Internet zunehmend mobil genutzt wird, kann man den Versicherungen uneingeschr�nkt empfehlen die Performance und Usability ihrer mobilen Webangebote zu verbessern. Aus technischer Sicht steht die Verk�rzung von Ladezeiten im Vordergrund. Studien im E-Commerce Sektor haben ergeben, dass jede Sekunde Wartezeit, die Conversion Rate um 7% senken. Dies gilt ab einer Wartezeit von drei Sekunden. Die beste Methode, um Ladezeiten zu verk�rzen, ist Responsive Webdesign mit server-seitigen Komponenten einzusetzen (RESS). Dies ist die effektivste Art, auf die Fragmentierung im Endger�te-Bereich zu reagieren. So k�nnen Inhalte f�r Desktop, Tablets und Smartphones optimiert ausgeliefert und damit Ladezeiten erheblich verringert werden.
Mobile First-Prinzip bietet Grundlage f�r Usability-Steigerung
Inhaltlich k�nnen die Versicherer sich dem Mobile First-Prinzip ann�hern, um ihre Angebote zu verbessern. Jede Information, jedes Formular und Eingabefeld sollte so gestaltet sein, dass es auf mobilen Ger�ten (und damit auch kleinen Smartphone-Bildschirmen) nutzerfreundlich dargestellt werden kann. Hier liegt die h�chste Diskrepanz im Vergleich zu den E-Commerce- Anbietern. Endlos lange und un�bersichtliche Startseiten sucht man zum Beispiel bei Zalando, Baur und Conrad vergebens.
Quelle: // Sevenval Technologies GmbH (2014)
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